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Amy Winehouse gesichtet in Darmstadt!

Kategorisierung: Kommentar

‘Vorwort’

Vorherige Teile dieser Serie „Marilyn Monroe“– und „Frida Kahlo gesichtet in Groß-Gerau“ suchten in unserem kleinen Vorort nach berühmten Bildnissen. Heute jedoch fahren wir 15 Minuten weiter nach Darmstadt! Wir erkunden die Stadt mit einem besonderen Fokus auf die britische Blues-Sängerin Amy Winehouse. Ein Generationstalent, das durch ihre markante Stimme und autobiographisches Schreibtalent die globale Musikszene der Nullerjahre eroberte.

‘Müller Luisencenter’

„Back to Black“ (2006) perf. Amy Winehouse

Im Einkaufszentrum am Luisenplatz lässt sich eine deutsche Drogeriemarktkette namens Müller finden. Obwohl der Markt sich auf zwei Stockwerke erstreckt, besitzt er nur ein Drittel der Größe des Edekas, den wir bei uns in Groß-Gerau haben. Die beiden Geschäfte sind insofern vergleichbar, da sie ein ähnliches Einkaufserlebnis bieten. Sie verkaufen wirklich alles; Drogerieprodukte, Schreibwaren, Lebensmittel, Spielzeuge und sogar Musikmedien. 
Wie zum Beispiel die abgebildete CD mit dem Album „Back to Black“ von Amy Winehouse. Das mehrfach Grammy-ausgezeichnete Album ist von vorne bis hinten gefüllt mit ikonischen Hits, die Winehouses Karriere definiert haben. Es beginnt schon mit dem ersten Song „Rehab“, der im Jahr 2008 „Song of the Year“ gewann, geht weiter mit dem Titeltrack, der später auch der Name ihres 2021 Biopics wurde, und ihr Bonustitel „Addicted“, der dem Album half, in dem Vereinigten Königreich 15-fachen Platinstatus zu erreichen.
Ungeöffnet, in Plastik erstickt, kostet der Spaß aufgerundet 14 Euro. Ein normaler und nachvollziehbarer Preis, aber wenn man nach etwas preisgünstigerem sucht, gibt es natürlich andere Optionen in Darmstadt.

‘Come Back’ 

„Amy, Camden Town“ (2003) fotogr. Alexis Maryon

„Come Back“ ist ein Fachgeschäft, das Second-Hand-Ware verkauft. Es bietet alles an, was das Nerd-Herz begehrt. Deine Haltestelle für alle Sachen der Popkultur. Egal ob da die Betonung auf „Pop“ oder „Kult“ liegt. Hier existiert eine große Bandbreite an Filmen, Musik und Videospielen. Auch Sammlerstücke wie Actionfiguren, alte Musikmagazine und Poster sind erhältlich. Mit ein bisschen Glück findet man hier wirklich alles. Inklusive der Werke von Amy Winehouse. Verschiedene Alben von Winehouse und auch der Soundtrack ihres Biopics von 2024, sind hier als CDs und Schallplatten erhältlich. Aber im Gegensatz zum Müller ist die hier schon ab sechs Euro erhältlich. Neben ihrem ersten Studioalbum „Frank“ ließ sich auch ein Poster von Winehouse finden, das sie in der Zeit zeigt, als sie ihre Musikkarriere mit Auftritten in lokalen Pubs und auf den Straßen Londons begann.
Der Vintagestore ist definitiv einen Besuch wert, wenn man auf Musik steht, die man in den Händen halten kann.

‘Hessisches Landesmuseum’

„Amy Winehouse Holding Her Hip“ (2007) fotogr. Bryan Adams

Das Landesmuseum in Darmstadt hat seit Anfang Juli eine Sonderausstellung für die Photographie des Musikers und Fotografen Bryan Adams organisiert. Sie tauften die Fotostrecke „Shot By Adams“. Das Gesicht ihrer Werbekampagne für die Ausstellung war Amy Winehouse.

„Amy Winehouse, Armani Dress“ (2007) fotogr. Bryan Adams

Der erste Teil der Ausstellung beschreibt die Fotografie von berühmten Prominenten aller Welt, als eine Art Satire von sich selbst. Als gäbe es ein ironisches Zwinkern an die Kamera, kommuniziert durch das offensichtlich posierte und dargestellte Bild. Obwohl ich manche Schnappschüsse von bekannten Schauspieler*innen als äußerst humorvoll wahrnehme, sind beim Großteil der Fotostrecke einfache Abbildungen von bekannten Gesichtern zu sehen. Sie sind überaus einfach gehalten. Nichts aussagend. Wenn es nicht Winehouse wäre, die auf ihrem Bauch in einem weißen Raum herumliegt, wäre dieses Foto nicht den Bilderrahmen wert, der gebraucht wird, um es aufzuhängen.
Im Kontrast dazu empfinde ich die zwei weiteren Teile dieser Ausstellung als wesentlich interessanter. Darunter „Homeless“, eine Portraitsammlung von Obdachlosen aus Los Angeles. Der direkte Kontrast zwischen all den verschiedenen Gesichtern unterstreicht die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Gruppe. Laut dem Text, der neben der Fotowand steht, war Adams’ Intention dahinter, eine Brücke der Empathie zwischen der elitären Gesellschaft und der obdachlosen Gemeinschaft Amerikas aufzubauen.
Die direkt darauf folgenden Bilder gehören zu dem Projekt „Wounded: The Legacy of War“. Dabei handelt es sich um eine Fotosammlung, die britische Soldaten abbildet, die aus ihrem Dienst in Irak und Afghanistan körperlich beeinträchtigt nach Hause zurückkehren. Manchen Männern fehlen Beine, anderen Teile ihrer Hand. Manche sitzen im Rollstuhl und wieder andere haben ein Gesicht voller Narben. Was Adams’ Intention dahinter exakt war, ist schwer zu sagen, da seine Bilder die ruhmreichen Orden der Soldaten direkt neben den wahren, düsteren Konsequenzen des Krieges stellt. Besonders hinsichtlich der aktuellen Diskussion über die Wehrpflicht, sind diese Bilder wichtig, um sich ins Gedächtnis zu rufen, was man wirklich von seinen jungen Mitmenschen erwartet.

„Danny Trejo, Portrait“ (2011) fotogr. Bryan Adams / „Amy Winehouse, Portrait“ (2010) fotogr. Bryan Adams

Leider ging die Ausstellung schon am 21. Juni zu Ende. Aber diese Fotos sind teilweise auch auf der Website des Fotografen aufrufbar.
Falls ihr die Ausstellung lieber persönlich vor Ort erleben wollt, müsst ihr nicht allzu enttäuscht sein, dass ihr sie verpasst habt. Denn das Hessische Landesmuseum in Darmstadt bietet ständig solche zeitlich begrenzten Veranstaltungen an, von denen mir jede, die ich soweit besuchen konnte, auch sehr gefallen hat. Also haltet die Augen für die nächste Sonderausstellung auf jeden Fall offen!

‘Stadtbibliothek’

„Meine Amy: Ein Abschied in Worten“ (2021) geschr. Tyler James

Die Stadtbibliothek in Darmstadt ist eine öffentlich-rechtliche Einrichtung, die eine große Auswahl an analogen und digitalen Medien bietet. Sie stellt cirka 131.000 Bücher bereit, darunter auch die Biografie „Meine Tochter Amy Winehouse“, den Dokumentarfilm „Amy“ von 2015 und das Buch „Meine Amy: Ein Abschied in Worten“.
Bei letzterem handelt es sich um eine persönliche Erzählung aus der Perspektive des Autoren Tyler James, einem langjährigen Freund von Amy Winehouse. Tyler schildert, dass er miterlebte, wie Winehouse in einer toxischen Beziehung zerbrach und wie sie beide mit Bulimie, Entzügen und Rückfällen zu kämpfen hatten, bevor Winehouse 2011 mit nur 27 Jahren an einer Alkoholvergiftung starb. Gleichzeitig betonte er die liebevolle, fürsorgliche und witzige Seite von Amy, die sich eine eigene Familie wünschte und ihre Freund*innen um sich scharte. Für Menschen, die sich für das private Leben von Amy Winehouse interessieren — oder die, die mehr über den Teufelskreis von Sucht lernen wollen — wäre dieses Buch äußerst lesenswert.

‘Stehende Webseiten’

„Amy“ (2015) dir. Regie Asif Kapadia / „Back to Black“ (2024) dir. Sam Taylor-Johnson / „Amy4Eva“ (2026) dir. Dirk Laucke

Ähnlich wie bei der Sonderausstellung haben viele Events ein Ablaufdatum, was bedeutet, dass man sie nicht länger besuchen kann. Dennoch sind sie erwähnenswert, auch wenn es nur ist, um zu verdeutlichen, wie groß das Angebot in Darmstadt wirklich ist. Das Kinopolis hat sowohl im Jahr 2025 als auch 2024 einen Film über Amy Winehouse ausgestrahlt. Ersterer war eine Dokumentation über ihre Karriere, während letzterer ein Biopic mit einer stärker fiktionalisierenden Interpretation ihrer Lebensgeschichte war.
Ein ähnliches Déjà-vu erfuhr das Staatstheater in der Spanne eines Jahres. Anfang Mai 2026 hatte das Staatstheater die Kunst von Winehouse in der Form eines Tributekonzerts erneut auf die große Bühne gebracht. Die musikalische Vorstellung wurde nach einem der erfolgreichsten Lieder aus Winehouses Diskografie „Love is a Losing Game“ benannt. Der Staatstheater-Webseite zufolge wurde das Lied von Sängerin Beatrice Reece für den Abend re-interpretiert, ohne die ursprüngliche musikalische Intention zu verlieren. Keine zwei Monate danach kehrten sie bereits zu dem „Winehouse“-Namen zurück:
Das Theaterspiel „Amy4Eva“ ist die Geschichte zweier ausgerissener Jugendlicher, die das Grab ihres großen Idols Amy Winehouse besuchen wollen.
Die Protagonistinnen sind musikaffine Northside-Girls aus der Arbeiterklasse – genau wie Winehouse selbst. So könnte das Stück beleuchten, wie Winehouse eine nachfolgende Generation von Musikerinnen inspirierte. So sagte die britische Singer-Songwriterin Laura Mvula in einem Interview mit The Guardian: „Ich rede nicht über Amy Winehouse als Sängerin. Sie ist eine Pionierin. Ich habe ihre Musik rauf und ab gehört, als ich angefangen habe zu schreiben.“
Laut der offiziellen Webseite gibt es zunächst keine bevorstehenden Termine. Das Stück soll allerdings dieses Jahr noch aufgeführt werden. Also liegen diese Events nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Zukunft.

‘Schlusswort’

Ursprünglich begann ich diese Serie von Fotoprojekten, weil mir auffiel, wie oft man Marilyn Monroes Gesicht über den Weg läuft, wenn man in Groß-Gerau unterwegs ist. Meine erste These dazu war, dass durch unsere globale Medienwelt popkulturelle Ikonen mit einer so großen Relevanz, wie es Monroe hatte, bildlich überall auftauchen können. Dies ist bestimmt teilweise wahr, beantwortet jedoch nicht, warum diese Fixierung nicht auf jegliche anderen legendären Schauspielerinnen der fünfziger Jahre übergreift. Wieso Monroe? Noch interessanter wird dieses Phänomen nämlich, wenn man sich nicht nur anschaut, wer auftaucht, sondern wer nicht. Denn die Dame der Stunde, Amy Winehouse, hat in Groß-Gerau nicht die gleiche Bildfläche wie in unserer Nachbar-Stadt.
Wieso, ist schwierig zu ermitteln. Es könnte womöglich darauf zurückgeführt werden, dass es in Darmstadt mehr kulturelle Venues gibt, weswegen dort auch eine relativ große Jazzszene existiert. Eine Musikrichtung, in der sich Winehouse oft bewegt hat. Allerdings erklärt dies nicht, wieso spezifisch Monroe in Groß-Gerau eine so große Relevanz hat. Es könnte ein reiner Zufall sein. Es könnte aber auch sein, dass wir hier eine persönliche Ebene zweier Städte sehen, die nur durch ihr Interesse an diesen zwei kulturellen Ikonen sichtbar wird.


Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Beitrag!

Autor:in

  • Deena

    Auf JUMA22 will ich unsere Leserinnen informieren, unterhalten und dazu animieren, meine Lieblingsfilme zu schauen.

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