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Was denkt Groß-Gerau über Graffiti?

Kategorisierung: Straßenumfrage

Was ist Graffiti?

Graffiti ist eine Form der Straßenkunst, bei der Bilder, Symbole und Texte an öffentlichen Orten, oft mit Sprühdosen oder Markern, angebracht werden. Aber es ist auch ein Sprachrohr für diejenigen, die sonst nicht gehört werden. Seien es Pubertierende, Menschen mit einer politischen Agenda oder junge Artists, die wollen, dass man ihre Bilder sieht, ohne erst durch die elitäre Kunstwelt reisen zu müssen. Sie alle benutzen die Öffentlichkeit als ihre Leinwand. Züge, Tunnel, Toilettentüren und jede andere Ecke der Stadt drohen ihren Sprühdosen zum Opfer zu fallen. Eine Sprüherei, die oft ohne Genehmigung geschieht.
Dadurch hat Graffiti im Laufe der Jahre auch eine starke Assoziierung zu Straftaten, wie Sachbeschädigung, entwickelt. Um Jugendliche von illegalen Aktivitäten abzuhalten, ohne ihnen ihren Kanal für künstlerischen Ausdruck wegzunehmen, gibt es nun viele Städte, die kostenlose Programme anbieten, in denen junge Menschen sich künstlerisch entfalten können. So auch in Groß-Gerau. Aktuell wird diskutiert, ob in der Stadt mehr legale Flächen für Graffiti geschaffen werden sollen. Eine Insider-Quelle hat mir die Information weitergeleitet, dass eine Gruppe Jugendlicher das Thema bei unserem lokalen Kinder- und Jugendforum vorstellen möchte. Die Meinungen sind gespalten. Heute wollen wir herausfinden, was die Gemeinschaft denkt!
Wir haben eine Straßenumfrage im Zentrum von Groß-Gerau durchgeführt, um uns ein Bild von der Stimmung zu machen. Um auch die Perspektive derjenigen einzubeziehen, die auf Straßenkunst stehen, haben wir Kontakt zu einem Frankfurter Graffiti-Künstler aufgenommen. Aus Datenschutzgründen wurden alle Befragten anonymisiert.

 

 

„Der Bruderkuss“ Dmitri Vrubel, 1990 Die East Side Gallery , Berlin
Die East Side Gallery, Berlin / „Der Bruderkuss“ von Dmitri Vrubel

 

 


Woran denken Sie, wenn Sie den Begriff „Graffiti“ hören?

 

18-jähriger Junge: Graffiti.
 
20-jährige Frau: Nicht viel.
 
10-jähriges Mädchen: Also, ich finde es sehr schön.
 
48-jährige Frau: Geschmiere. 
 
15-jähriges Mädchen: An diesem Spiel auf’m Handy – Subway Surfers! (Lacht).
 
Frankfurter Graffiti-Artist: In erster Linie denke ich an Stylewriting, also der Bereich, wo es um den Buchstaben geht und darum, diese in einen eigenen Style zu überführen. Aber natürlich denke ich auch an all die anderen wunderbaren Ausdrucksformen: Tags, Character, Bombings, Murals und so weiter.


Gibt es eine direkte Verbindung zwischen Graffiti und Vandalismus?

18-jähriger Junge: Für mich ist es Kunst, solange es an den richtigen Plätzen ist. In Tunneln oder an Zügen finde ich es auch nicht so schlimm.
 
20-jährige Frau: Ja. Naja, Graffiti ist sowohl Kunst als auch Vandalismus. Aber ich tendiere eher zu Vandalismus, weil sich das eigentlich nicht gehört.
 
10-jähriges Mädchen: Ich weiß nicht.
 
48-jährige Frau: Kommt drauf an.
 
15-jähriges Mädchen: Ich denke nicht.
 
Frankfurter Graffiti-Artist: Diese Annahme ist in etwa so plausibel, wie wenn man sagen würde, jeder, der schon mal Milch getrunken hat, wird später Zigaretten rauchen. Sicher kann Graffiti illegal sein und als Vandalismus deklariert werden, sofern damit Sachen beschädigt werden. Gleichzeitig verkennt man durch eine solch verkürzte und polemische Verbindungslinie all die anderen wunderbaren Facetten, die mit Graffiti einhergehen. Wenn wir uns auf Illegales Graffiti beziehen: Hier geht es um mehr – Räume werden angeeignet und das in niedrigschwelliger Art und Weise. Ich brauche nicht mehr als eine Sprühdose für 4€ und kann mir Raum aneignen. Dass das verboten ist, steht außer Frage. Was jedoch in den Blick rücken sollte: Wieso ist es in Ordnung, dass Konzerne, solange sie die finanziellen Mittel haben, entscheiden dürfen, was wir im öffentlichen Raum sehen müssen, indem sie diesen beispielsweise mit Werbung überziehen? Wieso ist gleichzeitig die Selbstrepräsentation eines Individuums mit Farbe für viele Menschen ein Affront? 



Haben Sie in der Vergangenheit schon mal selbst Graffiti ausprobiert?

18-jähriger Junge: Also selber gesprüht noch nicht.
 
20-jährige Frau: Nein.
 
10-jähriges Mädchen: Ich habe es noch nie ausprobiert.
 
48-jährige Frau: Nein.
 
15-jähriges Mädchen: Ne.
 
Frankfurter Graffiti-Artist:



Gibt es ein spezifisches Graffiti in Groß-Gerau, was Ihnen besonders gefällt?

 18-jähriger Junge: Fällt mir nichts ein.

20-jährige Frau: Nein.
 
10-jähriges Mädchen: Ne, ich erinnere mich leider an nichts.
 
48-jährige Frau: Nicht wirklich.
 
15-jähriges Mädchen: Nicht, dass ich mich erinnern könnte.
 
Frankfurter Graffiti-Artist: Wie eingangs erwähnt bietet Graffiti verschiedene Formen an. Ich kann nur empfehlen, mit offenem Blick durch die Stadt zu gehen und sich alle Ausdrucksformen, von klein und unscheinbar bis groß und auffällig zu betrachten.



Gibt es ein spezifisches Graffiti in Groß-Gerau, das Ihnen negativ aufgefallen ist?

18-jähriger Junge: Fällt mir auch nichts ein.
 
20-jährige Frau: Wenn diese ganzen Kreuze von Hitler, von damals noch, an Gebäude gesprüht werden. 
 
10-jähriges Mädchen: Ne.
 
48-jährige Frau: Geschmiere finde ich nicht so schön. Aber solange es kompetent angebracht wurde, kann es mir ja egal sein.
 
15-jähriges Mädchen: Es gibt schon Sachen, wo ich mich frage, wer sich so einen [Mist] ausgedacht hat.
 
Frankfurter Graffiti Artist: Nein.

 

Sollten wir als Gesellschaft legales Graffiti fördern?

18-jähriger Junge: Auf jeden Fall. Das ist wichtig. Graffiti ist geil.
 
20-jährige Frau: Ja, eigentlich schon. Solange es auf Gebäuden geschieht, wo es erlaubt wird und nicht auf den Straßen. Ja, fände ich gut.
 
10-jähriges Mädchen: Ja, würde mir sehr gefallen. […] An Unterführungen sollte das legal sein, aber in der Innenstadt nicht.
 
48-jährige Frau: An gewissen Stellen schon. In der Innenstadt vielleicht weniger. Oder je nachdem, an welchen Gebäuden das ist.
 
15-jähriges Mädchen: Ja, schon.
 
Frankfurter Graffiti-Artist: Ja, unbedingt! Nur so können Jugendliche in eigenen Räumen lernen sich auszudrücken, die Erfahrung von Selbstwirksamkeit machen, experimentieren. Es wird eine Identifikation mit dem Ort geschaffen und ermöglicht Partizipation – all das sind Qualitäten, die durch eine legale Malfläche hergestellt werden können.

 

 

„I LOVE YOU BUT I'VE CHOSEN DISCO“ Unbekannt (2025) Graffiti an der U-Bahn-Station Holzhausenstraße, Frankfurt am Main
Holzhausenstraße, Frankfurt am Main / „I LOVE YOU BUT I'VE CHOSEN DISCO“ von Unbekannt

 

 

Unsere Meinung

Die Sache mit dem Graffiti bleibt kontrovers. Für die Öffentlichkeit in Groß-Gerau scheint das Thema nicht in ihrem Alltag präsent zu sein. Sie scheinen sich darauf zu einigen, dass gewisse Grenzen eingehalten werden müssen. Eine glasklare, einheitliche Meinung, wo diese gezogen werden sollen, herrscht allerdings nicht.
Persönlich fühle ich mich auch immer etwas hin- und hergerissen, wenn es um das Thema der illegalen Straßenkunst geht. Es ist nun mal Kunst. Sehr vieles davon ist unfassbar kreativ, detailliert und fordert ihr Publikum nahezu dazu auf, sich damit auseinanderzusetzen. Aber egal, wie gut ein Graffiti aus künstlerischer Sicht ist, wenn es illegal angebracht wurde, ist es nun mal Sachbeschädigung. 
Aber das ist ja nur eine Seite der Medaille. Heutzutage sieht man immer mehr Graffiti, das im Auftrag der Stadt von meist lokalen Künstler*innen angebracht wurde. Nicht nur folgt diese Art der Straßenkunst dem Gesetz, es stellt auch sicher, dass die Artists für ihre Arbeit bezahlt werden. Auch schön sind kostenfreie Kurse, die Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich mit Hilfe von Graffiti frei zu entfalten. So viele junge Menschen bekommen aufgrund finanzieller Hindernisse nie die Chance, ihre kreativen Ideen umzusetzen. Eine Schande wäre es, wenn eine Gesellschaft, die so voller Kunst ist, die Menschen, die sie schaffen, nicht unterstützen würde.

 

 

Eine türkise Statue, die vor einer Mauerwand steht. An der Wand, über dem Kopf der Figur, wurde ein Fragezeichen in der Farbe Lila gesprüht. „Wilheilm Lübke“ Heinrich Weltring, nach 1993 „?“ Unbekannt, nach 2020 Institut für Technologie, Karlsruhe
Institut für Technologie, Karlsruhe / „Wilheilm Lübke“ von Heinrich Weltring / „?“ von Unbekannt


Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Beitrag!

Autor:innen

  • Deena

    Auf JUMA22 will ich unsere Leserinnen informieren, unterhalten und dazu animieren, meine Lieblingsfilme zu schauen.

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  • Adisa

    Mein Name ist Adisa. Ich wohne in der Kreisstadt Groß-Gerau, in der Nähe der Stadtmitte. Mein Wunsch für die Zukunft ist, dass mich Erwachsene ernst nehmen und Gleichaltrige respektieren. Außerdem warte ich auf den dritten Teil von Mamma Mia! Ich bin JUMA beigetreten, um Teil von etwas Großem zu sein. Ich interessiere mich sehr für Journalismus und habe als Chefredakteurin der Schülerzeitung bereits einige Erfahrungen in diesem Bereich. Ich hoffe, in der Zukunft auch weiter in diesem Bereich zu arbeiten. 🙂

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