Nach Angaben des US-Energieministeriums verfügen rund 90 Prozent der in den USA lebenden Menschen zu Hause über eine Klimaanlage. In Europa, wo teils ähnliche klimatische Bedingungen herrschen, liegt dieser Anteil laut der Internationalen Energieagentur (IEA) bei nur etwa 20 Prozent, wobei es zwischen den Ländern große Unterschiede gibt (1).
In Spanien, einem der südlichsten Länder des Kontinents, hat etwa die Hälfte aller Wohnungen eine Klimaanlage. In Deutschland dagegen sind laut einer Studie im Auftrag des Vergleichsportals Verivox nur etwa 6 Prozent der Wohnungen mit einer festen Klimaanlage ausgestattet, weitere 13 Prozent behelfen sich mit mobilen Geräten, die in der Regel deutlich schlechter kühlen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Bis vor kurzem waren Klimaanlagen in vielen europäischen Ländern, insbesondere in den nördlichen, nicht nötig.
Im Jahr 2026 ist das wieder gut zu erkennen. Im vergangenen Juni stiegen die Temperaturen in Deutschland auf bis zu 41°C, besonders in West- und Ostdeutschland (2). Die anhaltende Hitze belastete nicht nur die Bevölkerung, sondern führte auch zu einer Zunahme von Hitzschlägen und Kreislaufkollapsen (3). Krankenhäuser meldeten vermehrt Notaufnahmen wegen Dehydrierung, Überhitzung und Herz-Kreislauf-Problemen. Besonders bei älteren Menschen und Kindern. Doch die Hitzewelle hat nicht nur in Deutschland schwere Folgen: Bei einem besonders schweren Vorfall in Frankreich verlor ein Busfahrer in Paris aufgrund der extremen Hitze das Bewusstsein am Steuer, was zu einem schweren Verkehrsunfall mit mehreren Verletzten führte (4). Der Fall unterstreicht, wie unterschätzt die Gefahren von Hitze in Alltagssituationen oft sind und wie dringend Anpassungsmaßnahmen werden.
Dazu kommt noch, dass der Kommentator die Thematik wie ein Kulturkrieg zwischen Europa und Amerika darstellt. Es werden Wörter benutzt, die ein „Wir gegen Die“ generieren. Aber „wir“ in Europa sind nicht die einzigen, die von „unserer“ Politik in solchen Krisen im Stich gelassen werden.
Dieses Argument attackiert leider kein Strohmann, sondern ein echtes Problem im medizinischen Bereich. Ein Bericht der Tagesschau „Wie ein Krankenhaus sich für die Hitze wappnet“ erzählt von einem Krankenhaus in der Rhein-Neckar-Region, welches nur in sensiblen Teilen des Gebäudes, wie Operationsräume, Klimaanlagen hat — Direkt nachdem sie davon berichteten, dass immer mehr Leute wegen Hitzschlägen ins Krankenhaus müssen (8). Die Maßnahmen gegen die Hitze sind beispielsweise vermehrte Trinkpausen für die Angestellten sowie kühlende Öle, mit denen Erkrankte eingecremt werden. Ein Kommentar, der fast wie ein düsterer Scherz wirkte, war die Aussage, dass das Krankenhaus ganz viel lüften würde. Während der letzten Hitzewelle wurde die Luft draußen teilweise so trocken, dass ein offenes Fenster, jedenfalls meiner Erfahrung nach, nichts einbrachte als Hitze.
Den Mitarbeitenden des Krankenhauses sollten effektivere Mittel zu Verfügung gestellt werden, um ihre Patient*innen und sich selbst vor der Hitze zu schützen. Doch solche Anpassungen müssen systematisch erfolgen. Klimaanlagen einzubauen braucht viel Geld. Etwas, das unsere Krankenhäuser nicht haben. Sie brauchen staatliche Förderung, um so etwas umzusetzen.
Allgemein müssen wir anfangen proaktiver zu handeln. Es braucht große Veränderungen. Der Klimawandel ist kein Problem, das Einzelne durch vegane Ernährung, Plastikverzicht oder den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr lösen können. Zwar sind solche Schritte lobenswert, aber angesichts dessen, dass nur ein Bruchteil der klimaschädlichen Treibhausgase von Privatpersonen verursacht werden, während die Hälfte von nur 32 Konzernen verursacht werden, sind diese persönlichen Entscheidungen nicht ausreichend. (9).
Zudem müssen wir die Denkweise von „Wir gegen Die” überwinden. Denn um dieses Problem zu lösen, müssen wir es alle zusammen angehen. Die Veränderungen, die wir brauchen, müssen globale Strukturen erfassen und sofort eintreffen. Ständig diskutieren wir über die möglichen Nachteile solcher Maßnahmen für Unternehmen und die Öffentlichkeit. Doch wenn wir uns anschauen, wie viel Leid das drastisch schwankende Klima anrichtet, wird klar: Nichts zu tun, wäre schlimmer als der Versuch, unsere Lage zu verändern.
Die Quellen
- The Future of Cooling – IEA
- Hitzerekord in Deutschland erneut gebrochen – Tagesschau
- Infografik: Wie viele Menschen sterben durch Hitze? – Statista
- Un conducteur de bus fait un malaise à cause de la chaleur et s’encastre dans un arbre – Ladepeche
- Europe’s On Fire – YouTube
- Texas Winter Storm: What to Know – The New York Times
- Feburary 2021 Winter Storm Related Deaths – Texas Departmetn of State Health Services
- Wie ein Krankenhaus sich für die Hitze wappnet – Tagesschau
- 32 Konzerne verursachen Hälfte aller fossilen CO₂-Emissionen – Tageschau
Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Beitrag!
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