Skip to content Skip to footer

Effekte im Film: Wenn eine neue Entwicklungen sich als Rückschritt entpuppt

Kategorisierung: Kommentar

Szene Eins: Die Geburt der Filmeffekte

Filme sind fake. Und so ist’s gut! Lebensbedrohliche Situationen können dargestellt werden, ohne reale Menschen zu gefährden. Magische Welten jenseits unserer eigenen können im Rahmen eines Bildschirms erschaffen werden. Und wunderschöne Bilder können dadurch heraufbeschworen werden. Bei der Geburt des Films, wurde dies hauptsächlich durch praktische Effekte erreicht!

Einfach ausgedrückt sind praktische Effekte die Effekte, die tatsächlich vor der Kamera stattfinden. Dies geschieht durch Kostümierung, Puppenspiel und den Aufbau von Bühnenbildern, die man bei Filmen Sets nennt. Statt etwas später digital einzufügen, interagieren die Schauspielenden mit echten Requisiten, was die dargestellten Szenen greifbar macht (1).
Der deutsche Sci-Fi-Streifen Metropolis war ein Meisterwerk seiner Zeit. Ursprünglich wurde er vor rund einem Jahrhundert, im Jahr 1927, veröffentlicht. Eine Era, wo die Messlatte für Effekte noch nicht so hoch war. Doch Metropolis revolutionierte die Medienwelt. Besonders der Bau eines detaillierten Modells einer futuristischen Stadt fühlte sich durch die gelungenen Effekte wie ein echter Schritt in diese Zukunft an. Dadurch wurde der Maßstab für Filme dieser Art deutlich erhöht (2).
Metropolis war ein Vorreiter, aber weit davon entfernt, der einzige ikonische Film zu sein, der stark auf praktische Effekte setzte, um seine Welt zu erschaffen. Die ursprüngliche Star Wars Trilogie und der Monster-Streifen Der weiße Hai sind nur einige Beispiele von Filmen mit praktischen Effekten, die sich heute noch sehen lassen können.


Szene Zwei: Das Leben der Computer

Effekte haben sich seitdem stark entwickelt. Heute haben wir diverse andere Arten von Werkzeugen entwickelt, mit denen Szenen nach den Dreharbeiten bearbeitet werden können. Zum Beispiel der Greenscreen! Ein einfarbiger, meist grüner Hintergrund, der in der Filmproduktion verwendet wird, um den Hintergrund digital durch jedes Bild mittels eines Verfahrens namens Chroma Key zu ersetzen. Dies wird oft zusammen mit computergenerierten Hintergründen verwendet (3). Computer Generated Images (CGI) wiederum wird definiert als digitale Videos, Bilder und Animationen, die mit Computergrafik-Technologie erstellt werden. Es umfasst eine breite Palette von Anwendungen, einschließlich Filmproduktion, Videospielen und visuellen Effekten in verschiedenen Medien. CGI ermöglicht die Erstellung komplexer visueller Effekte, die zuvor durch traditionelle Methoden wie handgezeichnete Animationen oder Fotografie nicht erreichbar waren (4).

In seinen frühen Tagen hatte CGI Schwierigkeiten mit der Tiefe und dem Gewicht der Objekten, die sie darstellen sollten. Weswegen die Menschen in alten Kinderfilmen wie Toy Story, wie Spielzeuge aussehen. Dies ist ein Problem, dessen sich die Crew hinter dem Film bewusst war, weshalb sie beschlossen, den Film nicht-menschliche Protagonisten zu konzentrieren (5). Man könnte sagen, dass die Menschen in den frühen Tagen der CGI-animierten Filmen sehr uncanny aussehen. Ein englischer Begriff, der in Bezug auf das Phänomen verwendet wird, bei dem etwas künstlich Hergestelltes, das eine nahezu identische Ähnlichkeit mit einem Menschen aufweist, bei Betrachtenden ein Gefühl des Unbehagens oder der Abscheu hervorruft. Wer versucht, eine glaubwürdige menschliche Nachbildung zu bauen, muss aufpassen nicht im unheimliche Tal zu landen (6).

Deswegen hat es CGI im Vergleich zum Puppenspiel schwerer, zeitlose Bilder zu erschaffen. Denn eine gute Puppe wird auch noch in 10 Jahren eine gute Puppe sein. Das Puppenspiel ist nämlich eine Kunst die wir schon lange perfektioniert haben. Aber ein computergeneriertes Bild, das heute beeindruckend ist, wird mit der Zeit veraltet wirken, weil sich das junge Medium immer noch weiterentwickelt. In seiner Blütezeit wurde CGI jedoch als die Zukunft des Films angesehen, weshalb viel Geld und Zeit investiert wurde um, es in Rekordzeit zu perfektionieren.
 

Eine Filmreihe mit einigen der besten CGI-Figuren, die je in einem Film animiert wurden, muss Der Herr der Ringe sein. Diese Filme haben viele Kulissen, Kostüme und praktische Kameratricks verwendet, um die magische Welt der Hobbits, Zauberer und Elfen zu erschaffen. Für einige monströse Kreaturen, wie den riesigen Drachen, wurde jedoch CGI verwendet. Die Behind-the-Scenes der Trilogie zeigten die Menge an Arbeit, die investiert wurde, um aus bloßen Pixel eine feueratmende Echse zu machen.

Die Crew von The Lord of the Rings erweckte den kolossalen Drachen durch eine sorgfältige Mischung aus praktischer und digitaler Kunst zum Leben. Wētā Workshop fertigte detaillierte physische Modelle und Puppen an, um die Größe und Bewegungen des Wesens zu steuern. Um vom Schimmer seiner Schuppen bis zum Feuer in seinem Maul alles detailliert darzustellen, führte das VFX-Team von Wētā FX hyperdetailliertes CGI hinzu. Die Mimik des britischen Schauspieler Benedict Cumberbatch wurde in Motion-Caption-Suits erfasst, um dem Drachen lebendige, menschenähnliche Emotionen zu verleihen. Das Animations-Team verbrachte Monate damit, sein Gewicht, seinen Atem und seine emotionale Präsenz zu verfeinern. Auch die Umgebung des Drachens wurde mit Licht- und Texturgestaltung digital erweitert, sodass er wie ein lebender Teil der Mittelerde wirken konnte. Jede Sekunde verlangte Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Kunstdepartments, um sicherzustellen, dass das Ungeheuer sowohl mythisch als auch greifbar wirkt (7).

In vielerlei Hinsicht war die Filmreihe Der Herr der Ringe ein glücklicher Zufall. Unter anderem, weil die Trilogie zur perfekten Zeit  produziert wurde. Nachdem CGI sein Höhepunkt erreichte, aber auch kurz bevor die Qualität computererzeugter Effekte in der gesamten Branche wieder abnahm.

Warum CGI im Laufe der Zeit schlechter geworden ist, ist schwer zu bestimmen, da es technisch gesehen nur besser hätte werden sollen. Aber, wie am Beispiel von Der Herr der Ringe erklärt, erfordert es viel Arbeit und Vorplanung, um CGI wirklich gut aussehen zu lassen. Wenn es einem jedoch nicht wichtig ist ob der Film gut aussieht, kann CGI eine günstigere Möglichkeit sein, Effekte zu erzeugen. Es gibt keinen effektiven Weg, praktische Effekte günstig zu generieren, da physische Roquesiten teuer sind. Aber hastig erstelltes CGI ist sowohl billig als auch später im Schnittprozess verwendbar. Demnach kann es auch als eine metaphorische Decke fungieren, die man über visuelle Fehler wirft (8).

Das millionenschweren Franchise Marvel ist randvoll mit Beispielen für schlechte visuelle Effekte. Mein Favorit darunter wäre in dem Film Black Widow (9). Der Höhepunkt des Films enthält eine Szene, die hoch oben am Himmel spielt und eine CGI-Explosion beinhaltet. Der Greenscreen sah schrecklich aus und es ist ziemlich verwirrend, warum ein Unternehmen mit so viel Geld sich nicht die Zeit und Ressourcen genommen hat, damit das Finale besser aussieht. Ich schätze, weil sie das Gefühl hatten, es sei nicht nötig. Ein großer Teil des jungen Publikums ist mit diesen Arten von Effekten aufgewachsen und daran gewöhnt: Solange ihre Filme nicht an Popularität verlieren, fühlen die Unternehmen keinen Druck sich zu verbessern. Dadurch entsteht eine qualitative Abwärtsspirale. 

Das Schlimmste liegt jedoch noch in der Zukunft. Denn jetzt gibt es eine neue digitale Entwicklung, die sich langsam auf den Markt schleichen will.


Szene Drei: Der Tod des Kinos?

In dem Film Der Brutalist gibt es eine Szene, in dem der Protagonist mit seiner Ehefrau auf Ungarisch kommuniziert. Beim Filmen der Szene hatten die Schauspielenden wohl Probleme, ihren Text korrekt rüberzubringen, da sie, im Gegensatz zu ihren Figuren, keine Muttersprachler sind.

Das durchschnittliche nicht-ungarischsprechende Publikum hätte zwar nichts gemerkt, aber Leute, die mit der Sprache vertraut sind, könnten durch die schlechte Aussprache aus dem Film gerissen werden.
Also synchronisierten das Filmteam beim Schnitt des Films einfach nochmal den Dialog dieser Szene und bearbeiteten die Lippenbewegungen, damit sie zu den eingefügten Wörtern besser passen. Schon konnte die Illusion der Szene weiter aufrechterhalten werden. Jedoch führte diese Entscheidung zu einer Kontroverse, da das Mittel, das sie zur Bearbeitung genutzt haben, Generative Künstliche Intelligenz (GKI) war (10).
Generative Künstliche Intelligenz bezieht sich auf eine Untergruppe der künstlichen Intelligenz (KI), die Inhalte wie Texte, Bilder, Audio, Video oder sogar Softwarecode als Reaktion auf Benutzereingaben erstellt. Sie verwendet hierfür vorhandene Inhalte, was Diskurse über Bildrechte und die Definition dessen, was tatsächlich originärer Inhalt ist, anregt.
 
Persönlich sehe ich kein Problem darin, GKI zu nutzen, um die Kanten eines Projekts fertig zu schleifen. Allerdings sehe ich es als ein Todesurteil an, ausschließlich GKI zu nutzen, um eine ganze Szene zu erschaffen.
Kunst ist eine Reihe von Entscheidungen, die Kunstschaffende treffen müssen. Eine künstliche Intelligenz kann diese Entscheidungen nicht treffen. Sie kann vielleicht nachahmen, was zuvor in Filmen gemacht wurde, aber sie kann nicht verstehen, warum diese Dinge gemacht wurden. Daher fehlt einem aus reiner KI generierten Inhalt Präzision, Absicht und Bedeutung.

In dem Fall von The Brutalist sehe ich jedoch keinen Unterschied darin, GKI oder CGI für dieses Verfahren zu verwenden. Die menschliche Absicht scheint hier nicht verloren zu gehen. Ganz im Gegenteil. Ich weiß es zu schätzen, dass die Menschen hinter dem Film die Seherfahrung der Personen, die im Film dargestellt wurden, berücksichtigt haben und dass die Filmemachenden sich entschieden haben, eine Szene dementsprechend zu ändern. Für mich klingt das zumindest nach einer sehr absichtsvollen Handlung, ausgeführt von Menschen, die GKI als Werkzeug für ein Kunstwerk verwendet haben.

Aber ich verstehe auch die Ängste rund um GKI. Wie man anhand von CGI zuvor schon gesehen hat, bedeutet digitaler Fortschritt a) nicht immer, dass man die alten Mittel aufgeben muss, wenn sie gewisse Zweck besser erfüllen können als die neue Variante, b) das Filme in Augen von Unternehmen eher Produkte als Kunst sind und sie immer nach den billigsten Produktionsmitteln greifen werden und c) dass man die Büchse von Pandora nicht wieder schließen kann. Wenn wir GKI in irgendeiner Weise in der Filmwelt erlauben, wäre das der erste Schritt, der dahin führen könnte, dass alle neuen Filme nur aus GKI bestehen könnten. 
Obwohl ich viel Verständnis für diese Sorgen habe, empfinde ich auch einen gewissen Grad an Frustration, dass keinerlei Nuancen in dieser Konversation erlaubt sind. Nur weil CGI perfektioniert wurde, heißt das nicht, dass wir aufhören mussten, Puppen und Bühnenbilder zu bauen. Besonders in Fällen, in denen diese besser aussehen. Genauso könnte GKI in gezielten Feldern genutzt werden, um die Details eines Werks zu verbessern, ohne dass Filme zu einem Medium mutieren, das nur noch von seelenlosen Robotern erstellt wird.

Aber um diese Idee in die Realität umzusetzen, müssen wir aufhören, neue Mittel unserer Zeit als reine Geldreduzierer anzusehen. Das sind sie nicht. Stattdessen sollten sie als Werkzeuge in einem großen Kasten angesehen werden, die alle unterschiedlichen Funktionen dienen. Die Antwort auf die Frage KI? ist kein einfaches Ja oder Nein. Die wahre Antwort ist eine Aufforderung auf einen Nagel nicht mit einem Schraubenzieher zu hämmern.


Schluss­sze­ne: Die Quellen


Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Beitrag!

Autor:in

  • Deena

    Auf JUMA22 will ich unsere Leserinnen informieren, unterhalten und dazu animieren, meine Lieblingsfilme zu schauen.

    Alle Beiträge ansehen
This Pop-up Is Included in the Theme
GDPR Cookie Consent mit Real Cookie Banner