Skip to content Skip to footer

Marilyn Monroe gesichtet in Groß-Gerau!

✩ Prologe ✩

Mit großen Schmerzen überbringe ich euch die Nachricht, dass die verstorbene amerikanische Schauspielerin Groß-Gerau tatsächlich immer noch keinen Besuch erstattet hat. Jedoch scheint Monroe immer noch irgendwie präsent zu sein. Sie ist eine derjenigen, die so berühmt geworden sind, dass ihr Bild lange nach ihrem Tod weiterlebt und an Orte reist, an denen die echte Person nicht mal in ihren wildesten Träumen gelandet wäre. So wird unsere Kleinstadt von verschiedenen popkulturellen Figuren heimgesucht. Heute jedoch fokussieren wir uns nur auf Monroe und fragen uns nicht nur, woher die Fotos von ihr stammen, sondern auch, wie sie sich hierher verirrt haben.


✩ Szene Eins: Die Kirmes am Markplatz ✩

Jeden Sommer findet die Kerb ihren Weg nach Groß-Gerau, inklusive Autoscooter. Die Gemälde auf dem Hut des Fahrgeschäfts bilden verschiedene amerikanische Promis ab. Von Elvis über Prince bis zu Monroe. Heute ist es fast unmöglich zu ermitteln, wer diese Bilder gemalt hat. Das Foto, das der Künstler möglicherweise als Referenz verwendet hat, ist jedoch leichter zu finden. Vermutlich handelt es sich hier um eines der Bilder aus dem Jahr 1953, die Fotograf Frank Powolny von Monroe geschossen hat, um ihren damals neuen Film „Wie angelt man sich einen Millionär?“ zu bewerben. Die Zeichnungen orientieren sich vermutlich an den Fotos aus diesem Shooting. Das sieht man anhand der kurzen Locken, den langen, tropfenförmigen Ohrringen und ihrem bösen Blick, der sie in der dunklen Umgebung fast wie eine Vampirin aussehen lässt.


Szene Zwei: Gegenüber ✩

Neben dem Autoscooter gab es auf der Kirmes auch einen Stand, an dem Crêpes, Waffeln und süße Getränke angeboten wurden. Hier konnte man am Tisch des Standes zwei Gemälde von Marilyn Monroe finden. Die Bilder, die hier als Referenz verwendet wurden, stammen ebenfalls vom Fotografen Frank Powolny, circa 1953. Die Fotos wurden weder für eine spezifische Bildreihe aufgenommen, noch wurden sie als Werbung genutzt. Vermutlich dienten sie nur als Porträtaufnahmen. Die Gemälde selbst wurden von der Lackiermeisterin Annette Peeters gemalt, was man an ihrer Signatur in der Ecke erkennt.


Szene Drei: Der Fotoladen an der Darmstädter Straße ✩

Ein Geschäft, das hochwertige Fotodrucke produziert, zeigt auf seinem Aushängeschild einen Strand, ein Kätzchen und ein Bild von Marilyn Monroe, das von dem (mit ihr befreundeten) Fotografen Sam Shaw geschossen wurde. Das ist besonders an der weißen Bluse und der markanten Kette erkennbar. Es war Teil des berühmten Fotoshootings „Amagansett Series“ aus dem Jahr 1957. Fernab der glänzenden Filmleinwand posiert Monroe hier in Amagansett, einem kleinen Ort in den Hamptons auf Long Island, New York.


✩ Szene Vier: Büchereiregale ✩

Unsere Stadbücherei hat ein feines Sortiment zum Thema Filmgeschichte, wo jedes zweite Exemplar mit dem Bild von Monroe verziert ist. Die hier gezeigten Beispiele sind: „Mein Kino“ von dem Journalisten Hellmuth Karasek, „Film: Schnellkurs“ von der Autorin Andrea Gronemeyer und „Die Chronik des Films“, veröffentlicht von dem Harenberg Verlag. Ein paar Regale weiter fand ich auch das Filmsortiment. Vor Ort aber konnte ich leider keinen der Filme finden, in denen Monroe mitgespielt hat.
Allerdings gibt es in der digitalen Mediathek „filmfriend“, deren Zugang mit einer Groß-Gerauer Büchereikarte kostenlos ist, den interessanten biographischen Film „Meine Woche mit Marilyn“ aus dem Jahr 2011. Er erzählt die angeblich wahre Geschichte eines jungen Filmassistenten, der 1956 eine Woche mit Marilyn Monroe verbrachte und dabei einen persönlichen Blick hinter die Kulissen erlangte.


✩ Szene Fünf:
Das Fenster des Baba Haus Döner ✩

Ein Restaurant in der Innenstadt, das Schnellmahlzeiten wie Döner verkauft, schmückt sich im Schaufenster mit Juwelen aus der Filmgeschichte. Eines der Bilder stellt Marilyn Monroe in einem Pop-artigen-Stil da, der von dem Künstler Andy Warhol geprägt wurde. Der vereinfachte Stil zielt darauf ab, Icons mit täuschend wenigen Strichen und einer klugen Farbnutzung im Graustufenbereich nachzubilden. Neben Monroe sehen wir auch die US-amerikanische Schauspielerin Audrey Hepburn am Set des Filmes „Frühstück bei Tiffany“, dem Gemälde „Alu-Frau mit Schmuck“ und eine stilisierte Zeichnung des Eiffelturms. Fragt mich nicht nach Zusammenhängen, ich habe die Bilder nicht ausgesucht.


✩ Szene Sechs: Straßenende ✩

Vergangenen Mittwoch habe ich zusammen mit einer Kommilitonin im Helvetia-Parc gefrühstückt. Der eigentliche Grund für unser Treffen war, uns gegenseitig dazu zu zwingen, gewisse Projekte endlich abzuschließen. Neben einer Anthologie, deren letztes Kapitel ich wochenlang aufschob, im Versuch, die Lebensspanne des Buches zu verlängern, habe ich auch eine Collage fertiggestellt. Vor einer halben Ewigkeit wurden die Bilder dafür im DM ausgedruckt, aber ich bin erst jetzt dazu gekommen, alles zusammenzubringen. Eines dieser Fotos war ein Strandbild von Marilyn Monroe, das 1957 wiedermal von Sam Shaw aufgenommen wurde. Es war ein schöner Tag unter Freunden, der jetzt für immer in der Zeit eingefroren sein wird.

 

✧・゚: *✧🎬・゚:*ੈ✩‧₊˚

 

✩ Epiloge ✩

Monroe war eine unfassbar talentierte Schauspielerin, die in den Filmen, in denen sie spielte, oft am Puls ihrer Zeit war. Auch ihr Privatleben hat die Neugier der Öffentlichkeit geweckt. Nicht nur mit Klatsch-Blatt-Kontroversen über mögliche Affären, sondern auch mit ihrem natürlichen Charisma und ihrer Gutherzigkeit erregte sie großes Aufsehen. In vielerlei Hinsicht schuf sie die Blaupause dafür, was es bedeutet, eine erfolgreiche Frau in der Öffentlichkeit zu sein. Deshalb sehen wir heutzutage Prominente, die ihr ständig Tribut zollen. Meistens indem sie ihre Fashion-Looks nachahmen, in der Hoffnung dadurch, im selben Satz wie Monroe erwähnt zu werden. Wir können es tacky nennen, aber wer würde nicht mit Marilyn Monroe in Verbindung gebracht werden wollen?
 
Das mag ein bisschen weit hergeholt sein, aber persönlich erinnert es mich daran, wie wir historische politische Figuren in unserem Stadtbild ehren. Wir benennen Straßen nach ihnen, bauen ihnen Denkmäler, in einigen Ländern werden sie sogar auf Geldscheinen oder Münzen abgebildet. Die Logik dahinter ist, dass wir die Menschen, die Großes geleistet haben, ehren wollen, aber auch als Vorbilder, mit denen wir unsere Stadt (oder im weiteren Sinne unser Land) assoziieren wollen. Vielleicht ist unsere Prominentenkultur inzwischen so weit gegangen, dass wir berühmte Menschen nun ähnlich behandeln. Selbst wenn es zu diesem Zeitpunkt noch in einem kleineren, persönlichen Maß geschieht.
 
Nichts hiervon soll wertend aufgefasst werden. Oder als Fakt. Ich versuche mir hier nur zusammenzureimen, warum eine amerikanische Schauspielerin aus den fünfziger Jahren mietfrei im Schaufenster einer hessischen Kleinstadt lebt.


Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Beitrag!

Autor:in

  • Deena

    Auf JUMA22 will ich unsere Leserinnen informieren, unterhalten und dazu animieren, meine Lieblingsfilme zu schauen.

    Alle Beiträge ansehen
This Pop-up Is Included in the Theme
GDPR Cookie Consent mit Real Cookie Banner