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Nothing with You

Ein Kommentar/ eine Feststellung:

Jeder junge Mensch und jeder Mensch grundsätzlich geht unterschiedlich durchs Leben. Während die einen die Zukunft planen, lassen andere es einfach auf sich zukommen. Wenn man mit Struktur durch seinen Alltag geht, überträgt man dies manchmal auf die zwischenmenschlichen Beziehungen in seinem Leben. Dies kann einerseits dazu führen, dass man öfter verplant mit Freunden unterwegs ist – allerdings, und so war es bei mir – kann es auch dazu führen, dass man etwas ganz wichtiges vergisst – nichts zu tun mit den Menschen die man am liebsten hat. 

Und auf einmal macht man sich das vermeintlich schwere Leben noch schwerer. Denn wie hilfreich Pläne auch sein können, führen sie manchmal dazu, dass man einen gewissen Kontrollverlust verspürt, wenn sie nicht zu Stande kommen.

Als junge Erwachsene ist mir klar, dass mir noch mehr Lebenszeit bevorsteht, als dass ich sie hinter mir hab. Und trotzdem, führe ich mein Leben so als ob ich alles wüsste. Möglicherweise die Naivität und das Selbstbewusstsein die ein junger Mensch in sich trägt, möglicherweise Persönlichkeitssache. 

———

Inspiriert ist diese Feststellung von den Songs ,,nothing’’ von AAAA und dem Song ,,nothing with you’’ von Jamie Paige – und natürlich dem Lauf der Dinge. 

Es sollte mich nicht wundern, dass ich mit 19 noch Neues über das Leben und mich selbst herausfinde und dennoch hat es mich überrascht wie wohltuend es war, als ich eines Tages eine Freundin mitgenommen habe, um To-Do’s zu erledigen.

,,muss errands erledigen. Auto waschen, einkaufen undso willst du mit?’’

,,ok. Holst du mich ab’’

,,HAJDE LETS GO’’

Und so fuhr ich mit dem Auto meiner Eltern durch die kleine Stadt die Groß-Gerau ist, um von Nord zu Esch zu gelangen, einfach nur um jemanden beim Einkaufen mitzunehmen. Nicht zum shoppen, nein, sondern um Lebensmittel einkaufen zu gehen.

Angekommen, stieg sie in das Auto, sich wiederholende Radiomusik lief weiterhin im Hintergrund und wir fingen an zu reden. Erstmal über den Tag. Wie war Schule? Wie war Arbeit? Gut, Gut. Zu Helvi (Helvetia Parc) ist es nicht besonders weit, also parkte ich ein paar Minuten später das Auto bei dem Car Wash und fing an, alles aus dem Auto rauszuholen. Und die Freundin stand einfach dabei. Beste Freunde halt. 

,,bro helf doch mal’’

,,ne’’

,,bruh’’ 

Doch wir kicherten beide, als ich fertig war, alles sorgfältig zu saugen, und sie mit dem Staubsauger verfolgt habe. Es war so simpel, und doch so neu. 

Vielleicht braucht es keine ausgewogenen Tagestrips nach Köln, keine Zugfahrten nach Frankfurt, keine Kinobesuche in Darmstadt. Nicht jeder plant Sachen mit seinen Freunden und ich war jahre lang stolz darauf, dass ich es tat. Dass ich immer, wenn ich mit Freunden unterwegs war, etwas Spannendes zu erzählen hatte, sobald ich wieder zu Hause ankam. Dass die Freundesgruppe, mit der ich aufgewachsen bin, durchgeknallt genug war, um während der 9€ Deutschlandticket-Zeiten, alle Bundesländer zu bereisen. Um aus Spaß und freiem Willen heraus in Anzügen ins Kino zu gehen. Dass die Freundesgruppe kulturell interessiert genug war, Museen zu besuchen und Serien-Marathons in Zelten durchzuführen. Dass die Gruppe auch privilegiert genug war, um Food Festivals zu besuchen und neues Essen zu probieren. 

Doch was in all dieser Planung verloren ging, ist die Spontanität. Wir hatten schon angefangen uns zu beschweren, dass es nichts neues zu entdecken gab. Welche neue Erfahrungen kann man mit jemanden teilen? Was übertrifft das letzte Abenteuer?

Das Nichtstun. 

Die Dinge, die man tut, wenn man nach dem Treffen wieder zu Hause ist. Die Dinge, die man üblicherweise alleine oder mit der Familie macht. Einkaufen, zur Bank gehen, Briefe einwerfen, Auto waschen – das, was zum Erwachsenwerden dazugehört. Das, was, je älter wir werden, üblicher und gängiger wird. Doch zugleich das, was ich selten mit Freunden geteilt hatte. 

Wenn der Tag damit gefüllt ist von einem Job zum anderen zu fahren, Uni-Aufgaben zu erledigen und zusätzlich Besorgungen machen dazu kommt – gucke ich immer, wie ich alles verbinden kann um es zügig zu erledigen, um dann ,,Zeit für Spaß und Freizeit’ zu finden. Allerdings hatte ich vergessen, dass zwischen all diesen Plänen auch Zeit für Spaß sein kann. Nicht alles muss effizient geschehen, wenn es ineffizient mehr Spaß macht. Freizeit kann und muss nicht immer eingeplant werden. Denn alles so fertig zu bekommen, um danach Zeit für Freunde zu finden ist nicht immer möglich. 

Also warum den Spaß und die Freizeit nicht einfach in die To-Dos miteinplanen?

Mit dem sauberen, glänzenden Auto ging es weiter zu Rewe und Aldi. Geparkt wurde dazwischen. Mit Einkaufswagen ausgestattet ging es in den einen und dann in den anderen Supermarkt. Über manche Produkte wurde gelacht, gelästert, gepriesen. Warteschlangen an der Kasse werden weniger langweilig, wenn wir zu zweit statt alleine da stehen.

Es entstehen Gespräche über Themen, die ich noch nie geführt hatte, mit Menschen die ich schon ewig kenne. Mit Freunden deren Lebensgeschichte ich auswendig kenne, jedoch nicht weiß wie sie Kürbissuppe zubereiten, was ihr Lieblingsprogramm beim Wäsche waschen ist, wie viele Payback-Punkte sie gesammelt haben und was noch so zum Alltag gehört.

Alles ins Auto gebracht und wieder angeschnallt, waren alle To-Dos erledigt. Wenn man schon beim Helvi ist, darf ein King-Sunday von Burger King nicht fehlen. Durch den Drive-Through und auf dem Parkplatz, redeten wir bestimmt noch eine Stunde, einfach übers Leben. Über all die Erfahrungen, die es lebenswert machen. Und ist es nicht schlussendlich so, dass alle Erfahrungen etwas Wertvolles mit sich bringen? 

Nachdem ich sie zu Hause abgesetzt hatte, machte ich mich selbst auf dem Heimweg und dachte über genau das nach, was ich hier versuche in Worte zu fassen. 

So sehr ich Struktur im Alltag brauche und liebe, ist Spontanität ebenso wichtig. 

Was nach dem ersten Mal ,,Nichtstun’’ folgte, waren mehr und mehr Treffen dieser Art, unspektakuläre, normale, alltägliche Treffen. Fast hätte ich vergessen, was mich über Jahre geprägt hat – das Planen von Abenteuern und Erlebnissen, Reisen und Ausflügen. Das, was mich so stolz gemacht hatte, dass ich es erlebt habe.  

Sowie mit allen Dingen muss man die Balance für sich und sein Leben finden. Allerdings bin ich fest davon überzeugt, dass man offen sein muss für Neues. Auch wenn Neues, Altes, nur anders beschreibt. Die Mitte zwischen bemerkenswerten und nicht bemerkenswerten Treffen ist eine Linie, die man für sich selbst ziehen muss. 

Danke fürs Lesen, bis zum nächsten Mal 🙂 

Songs:

Autor:in

  • Adina

    Hallo und Willkommen! Ich wohne in Wiesbaden, komme aber aus Groß-Gerau Nord. Zurzeit studiere ich Media Management und freue mich auf alles, was dieser Lebensabschnitt mir noch bringen wird!! Lebensmotto: appreciate everything- expect nothing 😉

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