Kategorisierung: Kommentar
Musikszene und Starporträt
Lupe über Lyrics
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[Songtext zu „Egal“]
„Sag bitte nie wieder, dass du mich liebst
Auch deine Kindheit war ziemlich schwer
Du fühlst dich alleine, das hast du verdient“
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[Songtext zu „Egal“]
„Das mit uns ist lange schon verlor’n
Nein, du hast kein’n Plan
Ruf mich nicht mehr an, du hast gewonn’n
Komm zurück, sag, wann?“
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Dies verdeutlicht, dass die Worte in der ersten Strophe nicht der Wahrheit entsprechen und das lyrische Ich diese scheußlichen Dinge nur mit dem Ziel sagt, die weibliche Protagonistin zu verletzen. Dass er aus Schmerzen heraus agiert, macht es aber nur schlimmer. Wahrheit kann und muss manchmal wehtun. Aber verletzliche Aussagen zu treffen, mit keinem anderen Sinn, als zu verletzen, malt eine Figur, der wir in unserer Jugend alle mal über den Weg gelaufen sind.
Ihr wisst welche Art Jugendliche ich damit meine, oder? Extrovertiert, gutaussehend und entweder sehr talentiert oder selbstverliebt genug um zu denken, dass sie es sind. Meistens daten sie rum obwohl sie religiös sind. Im Falle, dass sie in eine ernsthafte Beziehung stolpern, geraten sie in einen Teufelskreis, wo sie ständig Schluss machen und eine Woche später wieder zusammenkommen. (Eine Thematik die Kauta nochmals in ihrem Song „On/Off“ behandelt).
Diese Art Analyse könnte ich mit jeder Strophe machen, wie wenn die weibliche Figur impliziert, dass sie Beziehungskonflikte als etwas sieht, das man gewinnen kann. Aber wenn wir noch tiefer in die Materie gehen, bleiben wir den ganzen Tag hier. Einfach weil jeder Satz mit so viel Charakter gefüllt ist. Stattdessen will ich darüber reden, wie der Song klingt.
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[Songtext zu „Egal“]
„Ich fahr’ nachts in die Stadt
Sag, kennst du diesen Platz? Ich war nur nie am Tag da
Was hab’ ich mir nur gedacht?
Sag, warum ging ich ran, auch wenn es mir so wehtat?“
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[Songtext zu „Ambient Lights“]
„Sitz’ mit, sitz’ mit, sitz’ mit Ambient Lights, fahren, fahren im Coupé
Ich erkenne dich erst, wenn die Sonne untergeht
Es ist wieder mal nachts, deine Augen ein Magnet
Und ich mag dich so lang, bis der Sommer wieder schläft“
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Autos sind ein klassischer Schauplatz für die Geschichten der jungen Liebe, weil sie zwei zentrale Bedürfnisse von Teenagern perfekt vereinen. Nämlich Freiheit und Privatsphäre. Ein eigenes Auto gibt ihnen Unabhängigkeit von ihren Eltern und starren Fahrplänen. Auch bieten Autos ihnen etwas, das öffentliche Orte nicht können. Es ist ein Raum, der wirklich nur den beiden gehört, in dem sie ungestört miteinander reden können. Es ist eine Blase, die einen von der Außenwelt abkapselt und eine intime Atmosphäre der Vertrautheit zwischen den Turteltauben schafft.
Wenn ihr denkt, dass ich da zu viel hineininterpretiere – Passt auf. Jetzt wird es erst richtig #prätentiös:
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[Songtext zu „Ich hoff“]
„Mein Traum geht in Rauch auf wie ‘n Feuerwerk“
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Dass etwas in Rauch aufgeht, ist eine gängige Metapher, die beschreibt, dass etwas von einem Moment auf den Anderen auf einmal weg ist. Es bedient sich dem popkulturellen Bild eines Magiers, der kontrollierte Rauchbomben benutzt, um eine weiße Taube verschwinden zu lassen. Kauta aber geht noch weiter mit der Metapher, indem sie es mit einem Feuerwerk in Verbindung setzt. Klug. Unter anderem, weil Raketen eine klare Assoziation mit Rauch haben und der Vergleich daher nicht aus dem Nichts kommt. Dazu kommt aber noch der entscheidende Unterschied, dass Feuerwerkskörper nicht leise verschwinden. Sie sind explosiv. Somit transformiert sie die Metapher und hebt sie auf ein anderes Level. Kauta schafft es, innerhalb von wenigen Worten zu vermitteln, wie es sich anfühlt, wenn jemand, mit dem du dir eine Zukunft vorgestellt hast, dich von einem Tag auf den anderen verlässt. Dabei erschafft sie wunderschöne Visuals, die die Stärke der Gefühle widerspiegeln. Was ‘n Wortakrobat.
Doch gerade dieses Lied zeigt auch einige negative Beispiele des kreativen Austauschs.
Importiert aus Amerika
Vergleichen wir mal das Konzept, was Kauta für ihren 2025 Song „Ich hoff“ entwickelt hat, mit dem 2019 Hit „I Hope“ von der amerikanischen Countrysängerin Gabby Barrett. In beiden Songs geht es um die Geschichte einer trauernden Frau, die ihrem Ex nach einer Trennung zunächst alles Gute wünscht. Das Lied nimmt jedoch eine rachsüchtige Wendung, wenn die Erzählerin offenbart, sie hoffe, ihr Ex möge jemanden Perfekten finden, nur damit diese Person ihn dann so verletze, wie er sie. Offensichtlicher wird diese Parallele, wenn man die Lyrics direkt miteinander vergleicht.
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[Songtext zu „I Hope“]
„I hope she’s wilder than your wildest dreams
She’s everything you’re ever gonna need
And then I hope she cheats
Like you did on me“
Zu Deutsch: „Ich hoffe,
Sie ist wilder als deine wildesten Träume.
Sie ist alles, was du jemals brauchen wirst.
Und dann hoffe ich, dass sie dich betrügt,
so wie du mich betrogen hast.“
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[Songtext zu „Ich hoff“]
„Ich wü-ü-ü-ü-ünsche dir, dass sie perfekt ist
Dir jeden Wunsch von den Lippen liest […]
Und sie dich besser liebt als ich, ich hoff
Ich hoff’, dass sie dich bricht,
so wie du mich, so wie du uns’“
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Schlechte Google Übersetzung, meinerseits, aus und vorgestellt, hier wurde sich offensichtlich an der Prämisse eines anderen Songs bedient, inklusive des Titels, der wirklich nur ins Deutsche übersetzt wurde. Persönlich würde ich dies nicht als Plagiat bezeichnen, da die eigentlichen Lyrics komplett andere sind. Zum Beispiel sind Kautas Feuerwerke in Barretts Werk überhaupt nicht vorhanden. Außerdem ist der Vorwurf des Plagiats eine sehr ernste Sache, die ich nur als gerechtfertigt sehe, wenn jemand etwas Wort-für-Wort kopiert. In diesem Fall wurde nur das Konzept übernommen. Aber so viel von einem anderen Werk zu übernehmen, wirkt trotzdem faul. Es stellt keinerlei Problem da, sich von jemand anderem inspirieren zu lassen. Allerdings musst du diese Inspiration dann ziemlich stark transformieren, um es dann dein Eigen nennen zu können. Dies wurde hier klanglich getan (die Produktionen der Lieder klingen komplett unterschiedlich), aber nicht mit dem Kern des Konzepts oder dem verdammten Titel. Dieses Projekt hätte noch etwas Feinschliff vertragen. Besonders weil Barrett nicht der einzige amerikanische Einfluss auf diesen Song ist. Die zweite Strophe beginnt nämlich mit einer offensichtlichen Anspielung auf denn 2016 Hitsong „i hate u, i love u“ von gnash.
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[Songtext zu „Ich hoff“]
„I hate you, I love you, I hate that I— (Ha)“
Zu Deutsch: „Ich hasse dich, ich liebe dich, ich hasse, dass ich— (Ha)“
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[Songtext zu „I hate u, i love u“]
„I hate you, I love you, I hate that I— (Ha)“
Zu Deutsch: „Ich hasse dich, ich liebe dich, ich hasse, dass ich— (Ha)“
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Dass Künstler einander inspirieren, ist nicht ungewöhnlich. Besonders der musikalische Bereich ist durch kreative Austauschprozesse geprägt. Und Kauta ist bei Weitem nicht die Erste, die zu viel von einem anderen Lied übernommen hat. Künstler wie Ed Sheeran zum Beispiel landen ständig, genau deswegen, vor Gericht. Allerdings macht es die Tatsache, dass die Grenze zwischen Inspiration und Plagiat so dünn ist, wichtig darauf hinzuweisen, wenn ein Künstler droht, diese Grenze zu überschreiten.
Der springende Punkt
Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Beitrag!
Autor:in
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Auf JUMA22 will ich unsere Leserinnen informieren, unterhalten und dazu animieren, meine Lieblingsfilme zu schauen.
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